Verband deutscher Fischereiverwaltungsbeamter und Fischereiwissenschaftler e.V.

Abschlussbericht

Bericht Beifang von Wasservögeln in der Binnenfischerei: Feldbiologische Untersuchungen am Plöner See und Selenter See in Schleswig-Holstein

Backes et al. 2019

 

Zusammenfassung:

Die in diesem Gutachten beschriebene Feldstudie soll den Umfang potenziellen Beifangs von Wasservögeln in binnenfischereilichen Fanggeräten in Schleswig-Holstein aufzeigen. Dazu wurden die drei schleswig-holsteinischen Seen, der Große Plöner See, der Kleine Plöner See und der Selenter See als repräsentative Fallbeispiele ausgewählt. Die untersuchten Seen sind als EUVogelschutzgebiete (DE-1828-491 „Großer Plöner Seen-Gebiet“ und DE 1628-491 „Selenter SeeGebiet“) mit besonderer Bedeutung als Brut- und Rastgebiete für Wasservögel ausgewiesen und werden zugleich berufsfischereilich genutzt. Die für die Feldstudie relevanten Wasservögel, die gleichzeitig Erhaltungsgegenstand der Vogelschutzgebiete sind, sind vor allem tauchende Vögel wie Gänsesäger, Haubentaucher, Knäkente, Kolbenente, Kormoran, Löffelente, Mittelsäger, Reiherente, Schnatterente und Zwergsäger.  Der sich ergebende mögliche Zielkonflikt der Interaktion von berufsfischereilichen Fanggeräten und Wasservögeln in der Binnenfischerei ist bisher kaum wissenschaftlich analysiert worden, systematisch erhobene Daten liegen, bis auf eine Studienreihe auf dem Ijsselmeer, nicht vor (Raby et al. 2011, Literaturstudie BIOCONSULT SH 2016). Da sich aus der bisher veröffentlichten Literatur zum Thema Beifang in der Binnenfischerei keine Vergleichswerte ableiten lassen, wurden im Rahmen dieser Feldstudie im Zeitraum März 2017 – November 2018 insgesamt 80 Ausfahrten zweier Fischereien begleitet und dabei 31 Reusen, 384 Partien Grundstellnetze, 27 pelagische Netze und 2 Schleppnetzfahrten kontrolliert; zusätzlich wurden anwesende, in der Regel rastende Wasservögel protokolliert.  Im Ergebnis konnte Beifang nur an einem Tag, in zwei, durch einen Sturm ans Ufer gedrifteten Hechtnetzen festgestellt werden; in den ca. 2 m vom Ufer entfernten Netzen fand sich letaler Beifang (ein Blässhuhn und eine Reiherente), ein weiteres Blässhuhn hatte sich oberhalb der Wasserfläche verfangen. Letzteres könnte auf einen möglichen Zusammenhang zwischen geringer Wassertiefe und erhöhtem Beifangrisiko hinweisen. Die geringen Beifangzahlen dieser Studie werden nach eingehender, kritischer Diskussion der Methode und anderen einflussnehmenden Faktoren als realistisch bzw. repräsentativ für die betroffenen Gewässer und Fangmethoden betrachtet. In Anbetracht der hohen Dichte gesichteter Wasservögel und des geringen Beifangs bei gleichzeitig hohem Fangaufwand in unterschiedlichen Monaten und mit verschiedenen Fangeräten, werden die Auswirkungen des Beifangs auf lokale Populationen von Wasservögeln als sehr gering eingestuft. Im Rahmen dieses Gutachtens konnte keine bestandsgefährdende Auswirkung der binnenfischereilichen Aktivitäten durch Vogelbeifang in den jeweils als EU-Vogelschutzgebiet ausgewiesenen Gewässern festgestellt werden.

 

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